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Geschichte
des Vereins
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DER SÄNGERGAU WÖRTHERSEE
"Kärntens
klingender See"
Dem
Wunsch des Vorstandes folgend, eine Darstellung des "Sängergaues Wörthersee"
für das Internet zu verfassen, komme ich insofern gerne nach, als auch ich
eine solche aus verschiedensten Gründen für notwendig erachte. Aufgrund der
Tatsache aber, daß über einen gewissen Zeitraum keine schriftlichen Unterlagen
vorhanden sind, erhebt dieses Vorhaben keinen Anspruch auf Vollständigkeit
und wird zum Teil den Charakter eines Gedächtnisprotokolls haben. Damit habe
ich eine nicht ganz leichte Aufgabe übernommen.
In
diesem Zusammenhang sollte auch der Komponist Johann Herbeck (Ehrenmitglied
des MGV Klagenfurt) nicht vergessen werden, der, so schreibt sein Sohn Ludwig:
" ... ein lauschiges Plätzchen auf der Halbinsel von Pörtschach fand,
wo er die Motive einiger seiner Kompositionen aufzeichnen konnte. Auch war
er fasziniert von der trauten Einsamkeit, die nur vom leisen Rauschen des
Waldes, dem Gesang eines Vogels und dem rythmischen Schlag der Wellen unterbrochen
wurde".
An
diesem romantischen Ort wurde für ihn, wie an anderen Plätzen auch für Thomas
Koschat und Johannes Brahms, ein Denkmal errichtet, das auch in Zukunft den
Hintergrund für unsere musikalischen und gesanglichen Darbietungen bilden
wird.
Heißumstritt'ne
Heimat Du,
Unser
bist Du endlich wieder,
Allweg
schallt Dir Jubel zu."
Der im September des Vorjahres in
Pörtschach gegründete Sängergau Wörthersee hielt am Donnerstag im Veldner
Kultursaal sein erstes Gausingen ab. Am frühen Nachmittag empfingen die Vertreter
der Gemeindevorstehung und der MGV Velden auf dem festlich geschmückten Bahnhofe
die zum Teil mit ihren Fahnen erschienenen Gesangsvereine Keutschach-Reifnitz,
Seerößl Krumpendorf, MGV Moosburg, MGV Pörtschach am See und MGV Viktring
mit ihren Chormeistern, den Herren Skorianz, Jäger, Wieltschnig, Großl und
Truppe. Unter dem Spiel der bekannten Wiegele-Kapelle zog der gegen eineinhalbtausend
Menschen zählende Zug durch das beflaggte Velden. Im Großgasthof Kointsch
wurde Probe gehalten. Gegen drei Uhr strömte die festliche Menge in den Kursaal.
Gauobmann Großl vom MGV Pörtschach hob in begeisternden Worten die Bedeutung
des Tages hervor, der ein Fest der einigenden Kraft des deutschen Liedes sei.
"Wenn wir uns nirgends zusammenfinden - im Liede sind wir eins!"
Daß aber das deutsche Lied, das Kärntner- und Alpenlied hineingetragen werde
in unser Volk als einigendes Band, als geselliges Bindeglied, als Trösterin
in Not und Leide und höchster Ausdruck seelischer Freude, daß es bildend für
Komm.Rat
Max Mösslacher - Velden
Dir. August
Lechner - Krumpendorf
OLGR Dr.
Felix Weratschnig - Rosegg
Karl Ulbing
- Pörtschach
und
Mathias Truppe
- Velden
Dir. Franz
Seitschnig - Krumpendorf
Dir. Hans
Kraschl - Velden
Dir. Franz
Bukovschek - Pörtschach
Dir. Georg
Grimm - Moosburg
Norbert Werhonig
- Velden
Eberhard
Posch - Pörtschach
Unvergessen bleibt der 7. Mai 1970, an dem unsere Gaufahne,
flankiert von den vier Traditionsfahnen aus Pörtschach, Velden, Krumpendorf
und Moosburg, symbolisch auf Booten über den See kommend, am Festplatz vor
dem Werzer Strandcasino, im Bereich des Koschat-Denkmales, eingeholt wurde.
Seit Jahren signalisiert diese Fahne (nach einer Idee von mir und der künstlerischen
Ausgestaltung durch den Gauschriftführer Anton Robatsch) den Standort unseres
Gaues, wurde diesem bei freudigen Anlässen vorangetragen, und senkte sich
auch einige Male abschiednehmend in das offene Grab eines dahingegangenen,
braven Sängers. Das Fahnenblatt ziert auf der einen Seite eine goldene Lyra
auf weißem Grund, mit dem Schriftzug "Sängergau Wörthersee 1920 - 1970".
Auf der anderen Seite befinden sich auf rotem Grund im Mittelpunkt die Anfangstakte
unseres Gaumottos, welches sinnhaftig mit den Wappen aller im Sängergau beheimateten
Vereine umrahmt ist.
Die Vielzahl der freudigen Ereignisse werden, wenn auch selten,
von Vorkommnissen überschattet, gegen die keine Vereinigung gefeit ist.
Dann und wann werden Versuche unternommen, die alten Traditionen verändern
zu wollen. So habe ich zum Beispiel miterlebt, daß bei der Jahreshauptversammlung
eines Vereines ein Sänger unter "Allfälliges" das Ansinnen stellte,
das Wort "Deutsch" aus dem Vereinsmotto durch eine andere Wortwendung
zu ersetzen. Die - für viele nicht nachvollziehbare - Antwort auf die Frage,
was ihn an diesem Wort störe, war, daß er nichts mit dem Wort "Deutsch"
anfangen könne. Der Obmann beendete - richtigerweise - die Debatte mit der
Feststellung, diese Angelegenheit zu einem späteren Zeitpunkt zu behandeln.
Dieser Vorfall ist symptomatisch dafür, daß es Versuche gibt, mit plumpen
Störversuchen, die unpolitischen Strukturen unserer Gesangsvereine zu unterlaufen.
Deshalb ist es mir persönlich ein großes Anliegen, diese Thematik rechtzeitig
aufzuzeigen und unserer Sängerschaft zu vermitteln. Mir scheint es mehr als
vertretbar, an dieser Stelle dem Artikel "Rückblick und Ausblick"
(Jänner 1997) des Bundeschorleiters, Dr. Nikolaus Fheodoroff, ausreichend
Raum zu geben. Dieser Bericht - äußerst lesenswert, seriös, tiefschürfend
und wissenschaftlich untermauert - kommt der Wahrheitsfindung am nächsten.
Dr. Fheodoroff sei für die Erlaubnis, diesen Bericht in meine Darstellung
einfließen zu lassen, ganz herzlich bedankt.
von
Bundeschorleiter Dr. Nikolaus Fheodoroff
Manchmal aber gilt es auch, Worte
auszusprechen, Begriffe zu klären und zu definieren. Damit werden Standpunkte
deutlich gemacht, die Markierungen im Fluß der Zeit darstellen. Was "zur
Sprache gebracht wird" - wie der Volksmund treffen sagt, gerät nicht
so leicht in Vergessenheit. Als "UNVERGESSENES" - das ist die
deutsche Übersetzung für das griechische Wort "aletheia", die Wahrheit
- kann es nicht mehr beliebig gedeutet und oft auch mißdeutet werden.
Ich möchte heute zwei Probleme ansprechen,
die mit Tradition und Fortschritt zu haben, diesem janusgesichtigen Wortpaar,
dessen eine Hälfte ohne die andere nicht existieren kann, wie dies auch bei
anderen ähnlichen Wortpaaren der Fall ist. Tradition ohne Fortschritt versumpft,
Fortschritt ohne Tradition verflacht.
In jüngster Zeit ist um einen Unterbegriff
des Sängerbundes eine Diskussion entstanden, die so geführt wird, als ob Wohl
und Wehe allen sängerischen Tuns davon abhinge. Es geht um den Begriff "Sängergau"
und all seine Ableitungen.
Etymologisch handelt es sich bei
dem Wort "Gau" um ein bairisch-schwäbisch-schweizerisch-vormittelhochdeutsches
Wort (gotisch: gawi, gaujis), das auf eine altgermanische Wurzel zurückgeht.
Es meint einen Landstrich, eine Gegend, einen Bezirk, zumeist ein freies und
fruchtbares Land, das oft an einem Wasserlauf liegt.
Abgesehen von einigen Landschaftsbezeichnungen
geriet dieses Wort in Vergessenheit. Es war im Sprachgebrauch lang abgestorben,
bis es durch Goethe, Bürger, Schiller und Stefan George neu belebt wurde (KLUGE,
Etymologisches Wörterbuch der dt. Sprache, Berlin 1883; 17. Auflage 1957).
In ihrem 12-jährigen Intermezzo
hat die deutschtümelnde NSDAP das Wort "Gau" in reichem Maße für
ihre Organisationsformen verwendet und es damit ideologisch punziert. Aber:
einzig aus diesem Grund das gut belegte, altdeutsche Wort zu verpönen, würde
eine späte Reverenz vor dem Nationalsozialismus bedeuten.
Wir sind heute leider gewohnt, Geschichte
aus sehr kurzer Sich zu betrachten und uns ein Weltbild aus einander erschlagenden
Informationen zusammenzubasteln. Reizwörter von vielerlei Art machen blind
für größere Zusammenhänge. Wer am Wort "Gau" Anstoß nimmt und es
ausmerzen möchte, müßte in aller Konsequenz dies auch bei folgenden Begriffen
tun: Pongau, Pinzgau, Lungau, Rheingau, Maingau, Hegau, Vintschgau, Aargau,
Thurgau, und schließlich auch noch in der Nebenform Allgäu.
Für mich aber besteht, weil ich
Worte beim Wort zu nehmen gewohnt bin, ein wesentlicher, demokratisch abgesicherter
Unterschied zwischen "Gauleiter" und "Gauobmann". Obmann
wird man durch Wahl, Leiter durch Einsetzung. Überdies wage ich zu bezweifeln,
daß gemeinsame kulturelle Bemühungen von Laien bereits ein "Festival"
sind, auch wenn man ein solches Unternehmen mit diesem Wort bezeichnet.
Und schließlich frage ich mich: wie kann ein 12-jähriges Intermezzo eine tausendjährige
Geschichte im Bewußtsein vieler Menschen auslöschen? Ist hier das Phänomen
eines Pawlow'schen Reflexes zu beobachten?
Der zweite Problemkreis, den ich
heute ansprechen möchte, betrifft das Verhältnis mancher öffentlicher Medien
zu kärntnerischem Musizieren im allgemeinen und zum Chorgesang im besonderen.
Immer wieder werden im Land Klagen laut, daß unsere Medien die Volkskultur
dieses Landes wenig achten, sich ihrer mit Alibihandlungen entledigen oder
sie überhaupt totschweigen. Dazu ist zu sagen, daß alle Medien im Zeitalter
der Zahlen, des statistischen Durchschnitts und des "Schneller - Höher
- Stärker" aus Selbsterhaltungstrieb danach trachten, ihr Publikum zu
maximieren und die Teilnehmerquoten möglichst hoch zu halten. Nach einer
einfachen Logik bedeutet das: wo Massen zusammen kommen, handelt es sich
um ein Großereignis - in der heute gebräuchlichen "Neusprache"
nennt man das "Mega-Event". Und die Darstellung eines solchen Mega-Events
steigert die eigene Bedeutung und das Behagen daran in selbststimulierendem
Ausmaß, ganz egal, welcher Inhalt transportiert wird, von einer kulturellen
Bedeutung dieses Inhalts ganz zu schweigen. Das ist die eine Seite der Medaille.
Die andere Seite sieht so aus: voll
Bewunderung sehen, hören und lesen konsumierende Chöre (um die Thematik aus
dem allgemeinen Bereich gleich ein wenig enger zu fassen, mit welch primitiven
Mitteln Massen zu bewegen sind. Sie beginnen, ihre anspruchsvollere Literatur
links liegen zu lassen und sich dem Modetrend anzuschließen: mit weniger anstrengender
Arbeit zu schnellem Erfolg zu gelangen, ist eine angenehme Sache.
Nur: Kulturarbeit hat mit Schnelligkeit
nichts zu tun.
Und: hier beginnt eine Teufelskreis
sich zu drehen. Chöre bieten den Medien wieder leichtes Futter an, das dankbar
als "im Trend liegend" aufgenommen wird. Ich behaupte keineswegs,
daß alle so denken und handeln. Aber ich möchte aus Sorge um die künftige
Entwicklung einen Trend ansprechen, der unweigerlich zu einer Verarmung und
Verödung kulturellen Lebens führt, wenn ihm nicht rechtzeitig Einhalt geboten,
und wenn nicht gewachsene Qualität - sozusagen "Bio-Kultur" statt
"Plastik-Müll" - an seine Stelle gesetzt wird.
Darum appelliere ich an alle Singgemeinschaften
in diesem Land: Laßt euch bestärken in der Gewißheit, daß kärntnerisches
Singen jeder anderen Folklore ebenbürtig ist. Bleibt echt, ohne kitschige
Ausflüge, im gesellschaftlichen Leben verankert und nicht einem zweifelhaften
Tageserfolg nachjagend. Laßt euch nicht davon abbringen, manchmal ein anspruchsvolleres,
schwierigeres Werk österreichischer oder auch internationaler Herkunft zu
erarbeiten.
Da ich bei der nächsten Jahreshauptversammlung
am 19. April 1997 nicht mehr als Bundeschorleiter kandidieren werde, nehmt
diese meine Anmerkungen als Vermächtnis meiner Anteilnahme an der künftigen
Entwicklung des KÄRNTNER SÄNGERBUNDES.
*
"MGV Bärndorf"
*
"MGV Lind ob Velden"
* "MGV Liederkranz" / Schiefling
* "MGV Maria Elend"
* "MGV Moosburg"
* "MGV Pörtschach"
* "MGV Reifnitz"
* "MGV Seerösl" / Krumpendorf
* "MGV
St. Egyden"
* "MGV Velden"
* "Doppelsextett Rauschelesee"
* "Gesangs und Musikverein der Gendarmen
Kärntens"
* "Gemischter Chor Moosburg"
* "Gemischter Chor Rosegg"
* "Gemischter Chor Velden"
* "Singgemeinschaft Köstenberg"
* "Singgemeinschaft Krumpendorf"
* "Singgemeinschaft Pörtschach"
* "Kärntner Doppelsextet"
* "Stimmen aus Kärnten"
Um nicht das Risiko einer Bewertung einzugehen, habe ich bewusst darauf verzichtet,
die Namen all jener tüchtigen Funktionäre und deren großartige Leistungen
anzuführen. Stellvertretend für diese ist es mir aber ein großes Anliegen,
die enorme Schaffenskraft des ehemaligen Chorleiters Josef Inzko und dessen
über 550 Kompositionen zu erwähnen und zu würdigen. Demzufolge wurde ihm auch
die Verleihung der "Goldenen Ehrenmedaille für besondere Verdienste um Heimat
und Lied" und des "Großen Ehrenzeichens des Landes Kärnten" entsprechend Anerkennung
zuteil.
schling deutsches Lied ein festes Band"
St. Bartlmä im März 2002